Carl-Friedrich Gördeler
Carl-Friedrich Gördeler wurde als Sohn eines Amtsrichters am 31.7.1884 in Schneidemühl geboren. Nach seinem Jurastudium und seiner Teilnahme am 1.Weltkrieg trat er nach grosser kommunalpolitischer Erfahrung (ab 1912 Beigeordneter Solingen, 1920-30 2.Bürgermeister von Königsberg) der DNVP bei. Gördeler war zu der Zeit ein Kritiker des parlamentarischen Staates von Weimar. 1930 wurde er dann zum Oberbürgermeister von Leipzig gewählt. Er bemühte sich, mit Notstandsprogrammen energisch gegen die Arbeitslosigkeit vorzugehen. Als Anhänger des Brüninger Präsidialsystems wirkte er 1931/32 und 1934/35 als Reichskommissar für Preisüberwachung. Carl-Friedrich Gördeler war ein entschiedener Gegner der nationalsozialistischen Rassen- und Kirchenpolitik, und als dieser trat er am 1.April 1937 von seinem Amt als Oberbürgermeister Leipzigs in den Ruhestand. Grund für diesen Schritt war der Abriss des Denkmals von Felix Mendelson-Bartholdy durch die Nationalsozialisten, während Gördeler in Finnland zu einer Vortragsreise weilte. Nach dem Rücktritt wurde er Finanzberater des Bosch-Konzerns und hatte dadurch die Möglichkeit, gute Auslandskontakte zu knüpfen, die er später noch für den Widerstand nutzte. In enger Verbindung mit dem zurückgetretenen Generalstabschef Ludwig Beck wurde Gördeler zu einem der führenden Köpfe im deutschen Widerstand. Er war nach dem geplanten Sturz Hitlers als Reichskanzler einer Übergangsregierung vorgesehen. Als dieser entwarf er mit Beck zusammen detaillierte Verfassungspläne in nationalrestaurativer Absicht. Gördeler war der Wiedereinführung der Monarchie nicht abgeneigt. Die Ermordung Hitlers lehnte Gördeler ab. Stichpunkte der Verfassungen waren:
- Starke Reichsspitze
- Selbstverwaltungsprinzip
- Parlament zur Hälfte indirekt gewählt
- Dominanz der traditionellen Führungsschichten
- Europäische Wirtschaftsgemeinschaft antibolschewistischer Völker
Das ursprüngliche Ziel einer Wiederherstellung des Reiches in den Grenzen von 1914, zuzüglich Österreich, gab Gördeler während des 2.Weltkrieges auf. Obwohl Gördeler sich auf das autoritäre Staatssystem des Freiherrn von Stein berief, wurde er vom Kreisauer Kreis weitgehend abgelehnt. 3 Tage vor dem Attentat von Claus Philipp Graf Schenk von Stauffenberg erging ein Haftbefehl gegen Carl-Friedrich Gördeler. Am 12.8.1944 wurde er nach wochenlanger Flucht in seiner westpreussischen Heimat von der Gestapo verhaftet. Gördeler bot sich nach seiner Verhaftung Hitler an, durch seine guten Auslandskontakte einen Separatfrieden mit den Westmächten zu vermitteln. Im Scheitern des Attentats von 20.7.1944 sah Carl-Friedrich Gördeler ein "Gottesurteil", das ihn verpflichtete "hinter den von Gott geretteten Führer zu treten". Vor dem Volksgerichtshof wurde er am 10.9.1944 zum Tode verurteilt. Von der Gestapo gequält und gefoltert, um weitere Informationen aus ihm herauszupressen, wurde Gördeler auf Befehl Hitlers enthauptet. Der von hoher Moralität durchdrungene Gördeler hatte zwar teilweise mit der heutigen Welt unvereinbare Ansichten, hatte aber im Bezug auf Europa sehr aktülle Vorstellungen.